Krematorium Thun

Offener anonymer Projektwettbewerb
engere Auswahl
in Zusammenarbeit mit LOT-Z, Zürich

Krematorium Thun - Blick vom Osteingang

Auszug aus dem Jurybericht der Stadt Thun:
«Dieses Projekt hat in der Jury eine fundamentale Diskussion über den Ausdruck eines Krematoriums ausgelöst.
TECTUM blendet und erzählt mit fünf grossartigen Visualisierungen eine Geschichte, die auf den ersten Blick bestechend ist. Seine architektonischen Verweise auf die Case Study Houses der 60er, oder die architektonische Tradition des Jura Südfusses, sind souverän durchdekliniert. Die Feinheit der Konstruktionen, (die Jury bezweifelt allerdings deren viel zu schlanken Dimensionen) ist betörend – ebenfalls die tollen Interieurs und die eindrückliche horizontale Geste des filigranen Daches im Kontrast zu den Berner Voralpen. Toll. Nur, was hat das alles mit einem Krematorium zu tun? Betritt hier der trauernde Besuchende einen internationalen Firmensitz oder gar das neue Kunsthaus von Thun? Wird der angeschlagene architektonische Ton dem Inhalt der Aufgabe gerecht? Die Jury meint Nein.
(...)
Es ist den Verfassenden zu attestieren, dass sie den Ansatz, das Krematorium als industrielles Gebäude zu begreifen, äusserst elegant gelöst haben. Fast logisch, dass der Betrieb ebenfalls bestens funktioniert. Wie bereits eingangs erwähnt, besticht die Materialisierung: Das dezente Braun der Stahlkonstruktion, der leicht rötliche Boden, schön komplementär zum allgegenwärtigen Grün der Landschaft – sehr schön. Ob die schlanken Fensterprofile der riesigen Scheiben einen richtigen Herbststurm überleben würden – wir hoffen es. Die kleine Halle vor den Aufbahrungsräumen mit Blick auf das tröstliche Wasserbecken ist sehr schön. Das Krematorium bildet neu das Zentrum der Friedhofsanlage. Das bestehende, orthogonal verlaufende Wegenetz wird sinnfällig mit dem neuen Zugangsweg, welcher an der Strättligenstrasse adressiert ist, verbunden. Dieser Weg führt bis an das östlichen Ende der Anlage und bildet dort einen neuen Zugang. Einen Hain aus Zitterpappel und Kiefern umgibt stimmungsvoll das Krematorium. Wasserbecken, Gräser- und Irisstreifen strukturieren den Aussenraum und machen diesen reichhaltig. Zufahrt, Eingang und Wegführung sind funktional und logisch. Umfriedet und eingebettet wird der neue Teil mit dem Erweitern des Gehölzsaums. Die Verfassenden verstehen ein Krematorium im Grundsatz als Industriebetrieb. Dass einige Bereiche eine hohe innenräumliche Qualität erfüllen müssen, wurde dabei anerkannt. Der Besucherbereich ist demnach übersichtlich, lichtdurchflutet und öffnet den Blick zur Friedhofsanlage hin. Betrieblich ist das Gebäude vorbildlich organisiert. Die Technik bleibt für spätere Anpassungen oder Erweiterungen zugänglich. Aus funktionaler und betrieblicher Sicht stellt dieses Projekt klar den überzeugendsten Beitrag dar.
(...)
Tectum ist ein perfekt organisiertes Krematorium, das leider so gar nicht aussehen will, wie ein solches. Es fehlt ihm, bei allem Respekt für die elegante technische Hülle, eine entscheidende Qualität – Sakralität. Schade. Die Jury attestiert aber den Verfassenden eine hohe architektonische Kompetenz.»

Krematorium Thun - Besuchergang
Krematorium Thun - Dach
Krematorium Thun - Westeingang und Parkplatz
Krematorium Thun - Eingangshalle